VDE-AR-N 4105 für Installateure kurz erklärt
Worum geht es?
Die VDE-AR-N 4105 regelt die technischen Anforderungen für Erzeugungsanlagen, die am Niederspannungsnetz angeschlossen werden. Dazu gehören typische PV-Anlagen auf Wohnhäusern und kleinen Gewerbebetrieben. Sie legt fest, wie sich eine Anlage am Netz verhalten muss, damit der Netzbetrieb stabil bleibt.
Sie müssen die Regel nicht auswendig kennen. Aber Sie sollten wissen, welche Unterlagen und Nachweise sich daraus für die Anmeldung ergeben.
Was sich für den Installateur daraus ergibt
Für Ihre Arbeit sind vor allem vier Punkte relevant:
1. Anschluss an Niederspannung Die Regel gilt für den Anschluss im Niederspannungsnetz. Bei Anlagen, die größer sind oder an anderer Spannungsebene angeschlossen werden, gelten weitere Vorgaben. Klären Sie das vorab mit dem Netzbetreiber.
2. Datenblätter Netzbetreiber verlangen in der Regel Datenblätter der Erzeugungseinheiten. Darin stehen Leistungsdaten und technische Eigenschaften. Die Datenblätter müssen zur Anlage passen, die Sie anmelden.
3. Einheitenzertifikat Für Erzeugungseinheiten wird ein Einheitenzertifikat als Nachweis der Netzverträglichkeit verlangt. Wo es veröffentlicht ist, können Sie es über die ZEREZ-ID zuordnen. Mehr dazu im Artikel zu ZEREZ.
4. NA-Schutz Der Netz- und Anlagenschutz, kurz NA-Schutz, trennt die Anlage bei Abweichungen vom Netz. Je nach Anlage ist er im Wechselrichter integriert oder als externes Gerät ausgeführt. Der Netzbetreiber möchte in der Anmeldung wissen, wie er umgesetzt ist.
Typische Rückfragen
- Datenblatt passt nicht zum angegebenen Wechselrichter
- Zertifikatsnachweis fehlt oder die ID ist fehlerhaft
- Angabe zum NA-Schutz unvollständig
- Leistungswerte widersprechen sich zwischen Formular und Datenblatt
Wie Sie das im Betrieb organisieren
Legen Sie je Gerätetyp, den Sie häufig verbauen, einen Stammdatensatz an: Hersteller, Typ, Nennleistung, ZEREZ-ID, Datenblatt. Dann müssen Sie diese Angaben bei der nächsten Anmeldung nicht jedes Mal neu zusammensuchen.
Wichtiger Hinweis
Die Anforderungen werden regelmäßig fortgeschrieben, und Netzbetreiber ergänzen eigene technische Anschlussbedingungen. Verlassen Sie sich nicht auf einen allgemeinen Text wie diesen, sondern prüfen Sie die aktuellen Vorgaben beim jeweiligen Netzbetreiber.
Beispiel: Unterlagenmappe für eine Standardanlage
Das Beispiel ist ausgedacht. Eine kleine Dachanlage mit einem Wechselrichter und integriertem NA-Schutz. Dann besteht Ihre Mappe typischerweise aus:
- Anmeldung im Portal des Netzbetreibers
- Datenblatt des Wechselrichters
- Datenblatt der Module
- Angabe der ZEREZ-ID beziehungsweise des Einheitenzertifikats
- Übersichtsschaltplan
- Lageplan
Ob Ihr Netzbetreiber mehr oder weniger verlangt, steht in seinen technischen Anschlussbedingungen. Ein externer NA-Schutz oder ein Anlagenzertifikat kann zusätzliche Unterlagen bedeuten.
Checkliste vor der Anmeldung
- Ist die Anlage ein Fall für das Niederspannungsnetz, oder gibt es Besonderheiten?
- Liegen aktuelle Datenblätter vor, nicht ein Stand von vor zwei Jahren?
- Ist angegeben, wo der NA-Schutz sitzt (im Wechselrichter oder extern)?
- Ist die Kennung des Einheitenzertifikats vollständig?
- Stimmen Scheinleistung und Wirkleistung im Formular mit dem Datenblatt überein?
- Haben Sie die technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers durchgesehen?
Typische Rückfragen mit Antwortvorschlag
Rückfrage: „Bitte geben Sie an, wie der NA-Schutz realisiert ist.“ Antwortvorschlag: „Der NA-Schutz ist im Wechselrichter [Typ] integriert. Die entsprechende Angabe finden Sie im Datenblatt auf Seite [Seite].“
Rückfrage: „Das Datenblatt gehört zu einem anderen Gerät.“ Antwortvorschlag: „Entschuldigung, wir haben das falsche Dokument beigefügt. Das richtige Datenblatt für [Typ] liegt jetzt vor.“
Rückfrage: „Die Scheinleistung ist höher als die Leistung im Antrag.“ Antwortvorschlag: „Die im Antrag genannte Leistung bezieht sich auf [Angabe]. Die Scheinleistung des Wechselrichters beträgt laut Datenblatt [Wert]. Bitte teilen Sie uns mit, welche Größe Sie benötigen.“
Was Sie auf keinen Fall raten sollten
Welche Schwellenwerte oder Leistungsgrenzen gelten, hängt von Anlage und Netzgebiet ab. Nennen Sie dem Kunden keine Grenzwerte aus dem Gedächtnis. Schlagen Sie sie in den technischen Anschlussbedingungen nach oder fragen Sie den Netzbetreiber.
Abgrenzung zu anderen Regeln
Die VDE-AR-N 4105 ist nicht die Anmeldung selbst, sondern eine technische Grundlage dafür. Sie ersetzt auch nicht die Meldung im Register. Beides finden Sie im Artikel PV-Anlage anmelden. Zur Kennung des Zertifikats lesen Sie ZEREZ.
Häufige Fragen
Gilt die VDE-AR-N 4105 für jede PV-Anlage?
Sie gilt für Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz. Ob Ihre Anlage darunter fällt, klären Sie mit dem Netzbetreiber.
Was ist ein Einheitenzertifikat?
Ein Nachweis, dass eine Erzeugungseinheit die technischen Anforderungen erfüllt. Er ist im Anmeldeprozess üblicherweise gefragt.
Was ist der NA-Schutz?
Der Netz- und Anlagenschutz trennt die Anlage vom Netz, wenn bestimmte Grenzwerte verlassen werden.
Wo finde ich die genauen Anforderungen meines Netzbetreibers?
In den technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers. Sie stehen meist auf dessen Website.
Dieser Text ersetzt keine Auskunft des Netzbetreibers. Maßgeblich sind die aktuellen Vorgaben und technischen Anschlussbedingungen Ihres Netzbetreibers. Stand: 17. Oktober 2026.